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Wörter haben Knochen

Anhang

Anhang C. Glossar

In Klammern steht das Kapitel, in dem der Begriff zum ersten Mal vorkommt.

Affix (2). Ein Stück, das an die Wurzel angehängt wird, um ihre Aufgabe zu verändern: Ein Präfix steht davor (be-, ver-), ein Suffix dahinter (-ung, -lich).

Aneignung (11). Die Arbeit, eine Sprache, die von außen kommt, zur eigenen zu machen. Sie geschieht mit der ersten Sprache und geschieht mit jeder neuen Sprache wieder.

Apophänie (12). Die Neigung, Verbindungen oder Figuren zu sehen, wo keine sind. Sie ist zugleich der Motor der Kreativität und der Fehler.

Brückensatz (8). Ein Satz deiner Sprache, der so gebogen ist, dass er sich an eine andere anlehnt, und zwar mit echten Wörtern deiner Sprache.

Code (4). Eine Folge von zwei oder drei Klassen, in ihrer Reihenfolge, gewonnen aus dem Skelett der Wurzel eines Wortes. Ein Code gibt einem Sinnfeld eine Richtung; er legt es nicht fest.

Endolinguistik (1). Das Fach, das untersucht, was Sprachen in ihrem Inneren tragen. Begründet wurde es von Christiane S. Meulemans und José Ángel Elias Fernández y Cuevas.

Endorhythmus (10). Der innere Rhythmus eines Menschen: die Art, sich in der Zeit zu bewegen, aus der alle seine Rhythmen beim Sprechen hervorgehen. Er bildet sich vor den Wörtern und ist im Akzent zu hören.

Endosprache (1). Die tiefe Ordnung einer Sprache, unterhalb dessen, was sie sagt: Codes, Rhythmen, Muster, die man nicht sieht.

Erbwort (5). Ein Wort, das eine Sprache von ihrer Vorgängersprache geerbt hat, ohne es von einer anderen zu übernehmen: Vater, Herz, Fisch.

Exosprache (1). Die Sprache, so wie sie erscheint: die Wörter, die man hört, die Grammatik, die Rechtschreibung.

Falscher Freund (5). Ein Wort einer anderen Sprache, das einem deiner Wörter ähnelt, aber nicht dasselbe bedeutet. Es kann ein Verwandter sein, der seinen Sinn verändert hat (Gift / gift), oder ein Fremder, der nur ähnlich aussieht.

Fremdwort (5). Ein Lehnwort, dem man die fremde Herkunft noch ansieht oder anhört, wie aktuell oder Chef.

Gefundener, konstruierter und projizierter Sinn (12). Die drei Register, in denen eine Verbindung zwischen Wörtern bestehen kann: gefunden (die Geschichte garantiert sie), konstruiert (eine erklärte Deutung) oder projiziert (eine Behauptung ohne Grundlage: Apophänie).

Gerüst abbauen, das (8). Prüfen, ob du dich an etwas erinnerst, ohne die Hilfe, mit der du es gelernt hast, um zu wissen, ob du wirklich gelernt hast oder ob es nur Suggestion war.

Geteiltes Unbewusstes (13). Das, was die Sprecher eines Makrosystems teilen, ohne es zu wissen. Es ist nicht universal: Es ist relativ zu jeder Sprachfamilie.

Grenzfall (3). Ein Laut an der Grenze zwischen zwei Kategorien, wie das j von ja oder das englische y von yes. Man schreibt ihn auf, ohne ihn in eine Klasse zu zwingen.

Grimmsches Gesetz (6). Eine Kette von Veränderungen der Konsonanten in den germanischen Sprachen, auch erste Lautverschiebung genannt, beschrieben von Jacob Grimm im Jahr 1822.

Habenz (13). Ein Wort des mexikanischen Philosophen Agustín Basave Fernández del Valle für das ursprüngliche „Es gibt“, vor jedem Messen und Benennen.

Inversion (4). Eine Umstellung der Reihenfolge eines Codes, bei der sein Kern erhalten bleibt: Θ·Λ und Λ·Θ.

Kern (4). Die Menge der Klassen eines Codes, unabhängig von der Reihenfolge: {Θ, Λ}.

Klasse (3). Jede der sieben Regionen des Mundes mit ihrem eigenen Gefühl: Φ, Θ, Χ, Σ, Λ, Ϻ, Ξ. Eine Klasse allein bedeutet nichts. Man nennt sie auch OAS-Klassen.

Koderivat (5). Ein Wort, das mit einem anderen von einer gemeinsamen Quelle abstammt. Oft bewahrt es seinen Code, aber nicht immer: Der Weg kann ihn abnutzen (das spanische hijo, vom lateinischen fīlius, hat das f verloren). Die Sprachwissenschaft nennt solche Wörter Kognaten oder verwandte Wörter.

Konvergenz (12). Die Beziehung zwischen zwei Wörtern mit verschiedener Geschichte, die beim selben Code und im selben Sinnfeld ankommen, wie mucho und much. Sie ist keine Verwandtschaft, aber sie ist ein Befund; ihre Erklärung ist noch offen.

Korrespondenz (6). Eine Regel, nach der ein Laut einer Sprache in einer verwandten Sprache als ein anderer Laut erscheint: Wo das Lateinische p hat, hat das Deutsche f (pater / Vater).

Lehnwort (5). Ein Wort, das eine Sprache fertig aus einer anderen übernimmt, wie Tomate, aus dem Nahuatl über das Spanische. Manche alten Lehnwörter klingen längst deutsch, wie Mauer aus dem lateinischen mūrus.

Logos (13). Das Wort, der Begriff, die Vernunft. In der qualischen Metaphysik kommt er nach der Erfahrung.

Makrosystem (9). Eine große Sprachfamilie, als System betrachtet: das Indoeuropäische, das Semitische, das Uto-Aztekische. Makrosysteme werden in einem Vergleich nie vermischt.

Meulemans-Zone (11). Eine Region der rechten Gehirnhälfte, in der nach einer Hypothese dieser Tradition die Codes, der Rhythmus und die Melodie des Sprechens verarbeitet würden.

Mikromusikalität (10). Die feinsten Einzelheiten der Stimme: Zittern, Pausen, Spannungen. Sie tragen einen guten Teil dessen, was ein Mensch fühlt.

OAS (3). Englisches Kürzel für Originating Affective Sounds, „ursprüngliche affektive Laute“: der Name der sieben Klassen.

Offenes Feld (12). Eine Beziehung, die man sehen und überprüfen kann, die aber noch niemand ganz erklärt hat, wie die Ähnlichkeit zwischen mucho und much. Man macht daraus weder eine Verwandtschaft, die es nicht gibt, noch tut man sie als „reinen Zufall“ ab.

Psychophonologie (10). Die Untersuchung des Klangs der Sprache auf drei Ebenen zugleich: Struktur, Musik und Geist.

Qualität (13). Das, was eine Erfahrung ist, so wie man sie erlebt, und was keine Zahl ausschöpft: das Rot, so wie du es siehst, der Geschmack einer Mango.

Qualo (13). In der qualischen Metaphysik die kleinste Einheit des erlebten Erscheinens, vor den Wörtern. Man kann es nicht messen; man kennt nur seine Spuren.

Schwelle (11). Ein Ort des Übergangs zwischen zwei Zuständen. Die phonische Schwelle ist der Übergang zwischen dem Gedanken und dem Klang.

Skelett (2). Die Konsonanten eines Wortes, in ihrer Reihenfolge, so wie sie klingen.

Tonogenese (10). Die Entstehung eines Tons, wenn eine Sprache einen Konsonanten verliert und der Unterschied, den er markierte, in die Melodie des Vokals wandert.

Tonsprache (10). Eine Sprache, in der die Tonhöhe der Stimme Teil des Wortes ist, wie das Mandarin-Chinesische oder das Zapotekische.

Urindoeuropäisch (1). Die rekonstruierte Sprache, von der die indoeuropäischen Sprachen abstammen. Sie hat kein einziges schriftliches Dokument hinterlassen.

Volksetymologie (12). Die Veränderung eines Wortes, weil seine Sprecher darin eine Verbindung zu sehen glaubten, die es nicht hatte, wie beim englischen crayfish.

Wurzel (2). Das Stück eines Wortes, das den Sinn trägt. Der Code wird aus der Wurzel gewonnen.

Zugangspunkt (8). Ein Wort, das du schon hast, oft ein weniger gebrauchtes, und das ein Koderivat eines Wortes der Sprache ist, die du lernst: Fest für das englische feast.

Zweite Lautverschiebung (6). Eine Reihe von Veränderungen der Konsonanten, die das Hochdeutsche vom Englischen und vom Niederländischen trennt: t wurde zu z oder ss (zehn / ten, Wasser / water), p zu pf oder f (Apfel / apple), k zu ch (machen / make).